Wandertipps - in großen Höhen unterwegs

Ich habe mir einen Traum erfüllt: eine Trekkingtour durch das Khumbu-Gebiet in Nepal – eine Region voller atemberaubender Landschaften, beeindruckender Pässe und der unmittelbaren Nähe zum höchsten Punkt der Erde. Aber was mir von dieser Reise am stärksten im Gedächtnis geblieben ist, war nicht nur die unglaubliche Natur, sondern vor allem eine wichtige Lektion: In großen Höhen zählt mehr als nur Abenteuerlust – es zählt Verantwortung. Für sich selbst. Für den eigenen Körper. Und für die Gesundheit.


Vom sanften Einstieg zur großen Höhe - von Jiri nach Namche Bazar

Meine Route begann nicht – wie bei vielen anderen – mit einem Flug nach Lukla, sondern klassisch in Jiri. Von hier aus ging es in 7 Tagen auf eine Länge von 101km und 8.880m Höhendifferenz, mit stetigem, aber behutsamem Auf und Ab. Wir überquerten den Lamjura Pass in 3530m Höhe, stiegen wieder ab und ließen dem Körper Zeit zur Anpassung. Akklimatisierung nennt sich das – und sie ist das A und O, wenn man in große Höhen will. Anschließend Namche Bazar, auf etwa 3440 Metern, fühlte ich: Mein Körper ist angekommen.

Von dort an konnte ich mich auf das konzentrieren, worauf es wirklich ankam: das Erleben. Drei Pässe auf über 5000 Metern, schließlich 5644 Meter am Kalapatthar – ich war vorbereitet, physisch und mental. Keine Anzeichen von Höhenkrankheit, kein körperlicher Alarm.

Warnhinweise auf Symptome der Höhenkrankheit und die veränderte Sauerstoffsättigung wurden oft in Lodges ausgehangen - Beispielfotos hierzu. Ein Fingerpulsoximeter  ist nützlich und wirklich zu empfehlen, um die eigene Sauerstoffsättigung zu überwachen. 

Die Schattenseite: Wenn Zeitdruck krank macht

Unterwegs traf ich Wanderer, die weniger Glück – oder besser gesagt: weniger Zeit – hatten. Zwei Wochen Trekking, Flug nach Lukla, direkter Marsch zum Everest Basecamp. Die klassische Tour in Rekordzeit. Doch je höher sie kamen, desto häufiger mussten Wanderer ihre Tour abbrechen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erschöpfung. Anzeichen einer beginnenden Höhenkrankheit – und oft war es kein Einzelfall. 

Manche ignorierten die Symptome, aus Angst, das große Ziel zu verpassen. Andere mussten von Guides evakuiert werden. In der dünnen Luft ist der Körper gnadenlos ehrlich – und wer nicht auf ihn hört, spielt mit seiner Gesundheit.

Verantwortung beginnt bei der Planung

Was ich aus dieser Reise mitgenommen habe, ist eine einfache, aber wichtige Erkenntnis: Wer in Höhen über 5000 Metern unterwegs ist, braucht Zeit – und die Bereitschaft, auf sich selbst zu hören. Es geht nicht darum, schnell ans Ziel zu kommen. Es geht darum, gut und sicher dort anzukommen. Eine Faustregel hat sich für mich bewährt: Nicht mehr als 500 Höhenmeter pro Tag im Aufstieg, zwischendurch wieder absteigen, dem Körper Pausen gönnen.
Abenteuer beginnt nicht erst auf dem Pass. Es beginnt mit der Entscheidung, es richtig zu machen.

Fazit:
Wenn du mit dem Gedanken spielst, eine Trekkingtour in großen Höhen zu machen – nimm dir Zeit. Plane deine Route so, dass dein Körper sich anpassen kann. Geh langsam, steig zwischendurch wieder ab, hör auf deine Signale. Es gibt keine Medaille fürs Durchziehen mit Kopfschmerzen. Aber es gibt eine tiefe, ehrliche Freude, wenn du nach Tagen harter Arbeit auf einem Pass stehst, gesund, wach und bei dir selbst. In den Bergen Nepals, hört man oft von nepalesischen Guides oder Einheimischen die Mahnung „Bistari bistari“ - was nicht mehr oder weniger heißt „Langsam gehen“, „Hetz dich nicht“, „Pace yourself“

Denn die Berge verzeihen keine Eile – aber sie belohnen Geduld.